Liverpool

Wenn Alastair groß ist, möchte er Gangster werden.


„Hey, I’m strong, not one of those freak fuckers…“ Alastair, 19, Student der Soziologie, weil ihn Psychologie interessiert, dafür aber kein Studienplatz zu haben war. Baggypants, Sweater, Goldkette, goldener Siegelring, Liverpooler Gangsterhaarschnitt, also Seiten kurz, den Rest mit Wachs in die Stirn. Er möchte später als Sozialarbeiter arbeiten, weil er von sowas Ahnung hat. Eines Tages hatte der Siegelring eine Delle.


„What happened to your ring, Ali?“ „Oh, nottin’ - think I broke somebodys nose.“ „What?“ „Yeah, well, I wanned to have a ciggi an’ there was tha’ bloke I asked, and know what the guy said? – ‘Go buy yourself some.’ – Tha’ made me kind of - angry, very angry, you know, he’s insultin’ me an’ dunno, just think I broke the guy’s nose.“ „Oh not really, you didn’t.“ „Well not for sure, he just was bleeding all over an’ – he shouldn’t’ve made me so angry! Just asked for a bloody ciggi, an’ what’s he thinkin’? - You know, I’s really afraid, he’d tell the police, I’s sure he would, but guess wha’: Saw him t’day in the shoppin’ centre. He had such a stupid doctors thing glued over his fuckin’ nose hahaha an’ know wha’? He’s runnin’! Saw me an’ ran like a rabbit, that guy! Hahaha, should’ve seen tha’. So funny!!“


Alastair ist sicher, dass er das Soziologiestudium schaffen und als Sozialarbeiter anderen viel beibringen kann.


Alastair trug eine Stereoanlage die Treppe hoch. „Hello!“ „Wow, what’s that?“ „I had a flat clearance today.“ „A what?“ „A flat clearance.“ „What do you mean?“ „Well you look for an empty house and walk in, haha.“ „You broke into a flat?!“ „Hey, don’ worry, I knew there was no one there, they’re on holiday.“ „You stole this stereo?“ „If you want to put it like tha’. But no’ only the stereo, there were three of us. We took a lo’ of stuff. Ben took a fucking chair, haha, tha’ stupid fuck! Believe it, a chair! Haha.“ Ali ging weiter die Treppe hoch.

Alastair übernahm für jemanden aus London, einen Großdealer mit Amsterdam-Connection „Jobs“. Jobs wie „Leute einschüchtern“. Dazu fuhr er  mit anderen zu dem Haus des Einzuschüchternden und sie warfen und schossen die Fensterscheiben ein.

Alastair bekam von dem Londoner eine Schrotflinte geschenkt. Damit ging er in den Hof, wo die Mülltonnen standen und schoss über die Dächer auf fliegende Tauben.
Jenny zog ein. Rothaarig, selbstbewusst, keck mit Worten und Taten. Zu Ali meinte sie „What the fuck are you, a living cartoon figure from tiny gangster toon?“ Was die Sache bemerkenswert auf den Punkt brachte. Allerdings begann sie nach drei weiteren Tagen eine Affäre mit ihm.


Ali war einkaufen. „Hey ev’ryone! Look! I was shoppin’. In London.“ 12 Barren Hasch und mehrere Plastiktüten mit insgesamt 5000 Ecstacypillen. Er ließ sich aufs Sofa vor den Fernseher sinken. „Ali?“ „Yep?“ „You don’t wanna leave all this in our flat?“ „Sure. Want some? Here, take some, enjoy, mate! I also have some speed left in my room, would you like?“


Er holte das Zeug von seinem Großdealer aus London, der gleiche Typ, für den er gelegentlich „Leute einschüchterte“. Der Großdealer stellte es selbst in Holland her und importierte dann nach Großbrittannien. Von dort schleuste er es in sein Verteilungssystem in alle größeren britischen Städte London, Manchester, Birmingham, Edinborough immer an irgendwelche Mittelsmänner und in Liverpool eben an Ali. So war das Netz. Und jetzt lag das Zeug in unserem Haus unter Alis Bett. Es war sehr sauber, besonders die Pillen, ungestreckt, hoher MDMA-Anteil.
Uns hat Alistair nie ausgenommen oder abgezogen. Eher teilte er alles, was er hatte. „It’s jus’ abou’ respect, you know.“ Er dealte auswärts, nie in der Wohnung. Und jetzt ging er immer häufiger in London shoppen. Aber zunehmend verfraß er es selbst. In der Wohnung, vor dem Fernseher, mit Bier und Zigaretten.


Dann hatte Ali eine Freundin. Sue, 16, wasserstoffblond, sonnenbankbraun und verschüchtert. Es stellte sich heraus, dass sie vor ihrem prügelnden Stiefvater in Alis Arme geflüchtet war. Ihrer Mutter und ihrem Stiefvater gefiel die Verbindung nicht. Sie drohten Sue gewaltsam nach Hause zu holen. Ali meinte: „If tha’ guy dares to pu’ his fee’ in here, I bea’ him up tha’ he forgets his fuckin’ name.“ Sue hatte Bulimie und insgesamt drei Abtreibungen hinter sich. Sie liebt Ali, sagte sie. „I love him to bits.“ Nun waren die beiden Tag und Nacht im Wohnzimmer auf der Couch vor dem Fernseher anzutreffen, wo sie saßen und Drogen nahmen. Alles was gerade da war. Kiffen sowieso, ansonsten Speed, Pillen und manchmal exklusiv Trips zum Wochenend-TV-Programm.

Es begann zu kriseln, Ali war eifersüchtig. Paranoid vom Speed war er sich sicher, sein bester Freund Alan habe mit Sue gevögelt. Vermutlich hatte er das nicht, wer weiß. Doch vor allem war Ali inzwischen drogendurchsetzt und sah Dinge, die es nicht gab. Nach einer Nacht mit gewissem Radau in entfernter liegenden Räumen, stand jedenfalls morgens eine Matratze, in der ein Fleischermesser und ein Milchtopf steckten, neben unserem Wohnungstelefon. Ali hatte Sue nicht erreicht und war wütend geworden.


Als Sue endlich kam, gab es lauten Streit. Ali verließ das Haus, Sue lag benommen auf der Couch und erzählte, sie habe Schlaftabletten genommen und bringe sich gerade um. Zur Toilette gezerrt, war sie unter Androhung eines Krankenwagens schliesslich bereit, ihren Mageninhalt zu erbrechen. Immerhin war sie seit Jahren bulimisch und im gewollt herbeigeführten Erbrechen erprobt. Das ging also. Und Sue mußte nicht ins Krankenhaus. Auch Ali kam wieder. Doch Alis bester Freund Alan blieb für immer fort. Die Matratze mit dem Milchtopf beließen wir im Flur, niemand räumte sie je weg.


Eines Tages rief Ali an, er redete viel und schnell und zusammenhanglos, dass alles schlimm wäre, er niemandem vertrauen könne und glaube, sich doch mehr auf sein Soziologiestudium konzentrieren zu müssen, um endlich Sozialarbeiter zu werden, sonst könne alles schief gehen.

nicetea fragte: Ist deine Liverpool-Geschichte abgeschlossen? Falls ja, wärst du bereit, sie des Lesevergnügens willen in einen einzelnen Beitrag zu knallen?

Hallo Nicetea,

schön von dir zu hören :) Ja die Liverpoolstory ist zu Ende. Unter http://luziagoldin.tumblr.com/liverpool ist sie auch zusammenhängend lesbar, aber ich packe sie noch mal in einen Beitrag. Danke für die Nachfrage, dein Interesse freut mich sehr.

Lieber Gruß

Luzia

Liverpool - part eight

Als Sue endlich kam, gab es lauten Streit. Ali verließ das Haus, Sue lag benommen auf der Couch und erzählte, sie habe Schlaftabletten genommen und bringe sich gerade um. Zur Toilette gezerrt, war sie unter Androhung eines Krankenwagens schliesslich bereit, ihren Mageninhalt zu erbrechen. Immerhin war sie seit Jahren bulimisch und im gewollt herbeigeführten Erbrechen erprobt. Das ging also. Und Sue mußte nicht ins Krankenhaus. Auch Ali kam wieder. Doch Alis bester Freund Alan blieb für immer fort. Die Matratze mit dem Milchtopf beließen wir im Flur, niemand räumte sie je weg.


Eines Tages rief Ali an, er redete viel und schnell und zusammenhanglos, dass alles schlimm wäre, er niemandem vertrauen könne und glaube, sich doch mehr auf sein Soziologiestudium konzentrieren zu müssen, um endlich Sozialarbeiter zu werden, sonst könne alles schief gehen.

Liverpool - part seven

Es beginnt zu kriseln, Ali ist eifersüchtig. Paranoid vom Speed ist er sich sicher, sein bester Freund Alan hätte Sue gevögelt. Vermutlich hat er das nicht, wer weiß. Doch vor allem ist Ali inzwischen drogendurchsetzt und sieht Dinge, die es nicht gibt. Nach einer Nacht mit gewissem Radau in entfernter liegenden Räumen, stand jedenfalls morgens eine Matratze, in der ein Fleischermesser und ein Milchtopf steckten, neben unserem Wohnungstelefon. Ali hatte Sue nicht erreicht und war wütend geworden.

Liverpool - part six

Ali hat eine Freundin. Sue, 16, wasserstoffblond, sonnenbankbraun und verschüchtert. Es stellte sich heraus, dass sie vor ihrem prügelnden Stiefvater in Alis Arme geflüchtet ist. Ihrer Mutter und ihrem Stiefvater gefällt die Verbindung nicht. Sie drohen Sue gewaltsam nach Hause zu holen. Ali meint: „If tha’ guy dares to pu’ his fee’ in here, I bea’ him up tha’ he forgets his fuckin’ name.“ Sue hat Bulimie und insgesamt drei Abtreibungen hinter sich. Sie liebt Ali, sagte sie. „I love him to bits.“ Jetzt sind die beiden Tag und Nacht im Wohnzimmer auf der Couch vor dem Fernseher anzutreffen, wo sie sitzen und Drogen nehmen. Alles was gerade da ist. Kiffen sowieso, ansonsten Speed, Pillen und manchmal exklusiv Trips zum Wochenend-TV-Programm.

Liverpool - part five

Ali war einkaufen. „Hey ev’ryone! Look! I was shoppin’. In London.“ 12 Barren Hasch und mehrere Plastiktüten mit insgesamt 5000 Exstacypillen. Er ließ sich aufs Sofa vor den Fernseher sinken. „Ali?“ „Yep?“ „You don’t wanna leave all this in our flat?“ „Sure. Want some? Here, take some, enjoy, mate! I also have some speed left in my room, would you like?“ 

Er holt das Zeug von seinem Großdealer aus London, der gleiche Typ, für den er gelegentlich „Leute einschüchtert“. Der Großdealer stellt es selbst in Holland her und importiert dann nach Großbrittannien. Von dort schleust er es in sein Verteilungssystem in alle größeren britischen Städte London, Manchester, Birmingham, Edinborough immer an irgendwelche Mittelsmänner und in Liverpool eben an Ali. So ist das Netz. Und jetzt liegt es unter Alis Bett. Es ist sehr sauber, besonders die Pillen, ungestreckt, hoher MDMA-Anteil.

Uns hat Alistair noch nie ausgenommen oder abgezogen. Eher teilt er alles, was er hat. „It’s jus’ abou’ respect, you know.“ Er dealt auswärts, nie in der Wohnung. Und jetzt geht er immer häufiger in London shoppen. Aber zunehmend verfrisst er es selbst. In der Wohnung, vor dem Fernseher, mit Bier und Zigaretten.

Liverpool - part four

Alastair bekam jetzt von dem Londoner eine Schrotflinte geschenkt. Damit ging er in den Hof, wo die Mülltonnen standen und schoß über die Dächer auf fliegende Tauben.

Jenny ist eingezogen. Rothaarig, selbstbewusst, keck mit Worten und Taten. Zu Ali meinte sie „What the fuck are you, a living cartoon figure from tiny gangster toon?“ Was die Sache bemerkenswert auf den Punkt brachte. Allerdings begann sie nach drei weiteren Tagen eine Affaire mit ihm.

Liverpool - part three

Alastair übernimmt für jemanden aus London, einen Großdealer mit Amsterdam-Connection „Jobs“. Jobs wie „Leute einschüchtern“. Dazu fuhr er kürzlich mit anderen zu dem Haus des Einzuschüchternden und sie warfen und schossen die Fensterscheiben ein.

Liverpool - part two

Heute trug Alastair eine Stereoanlage die Treppe hoch. „Hello!“ „Wow, what’s that?“ „I had a flat clearance today.“ „A what?“ „A flat clearance.“ „What do you mean?“ „Well you look for an empty house and walk in, haha.“ „You broke into a flat?!“ „Hey, don’ worry, I knew there was no one there, they’re on holiday.“ „You stole this stereo?“ „If you want to put it like tha’. But no’ only the stereo, there were three of us. We took a lo’ of stuff. Ben took a fucking chair, haha, tha’ stupid fuck! Believe it, a chair! Haha.“ Ali ging weiter die Treppe hoch.

Liverpool - part one

Wenn Alastair groß ist, möchte er Gangster werden.

„Hey, I’m strong, not one of those freak fuckers…“ Alastair, 19, Student der Soziologie, weil ihn Psychologie interessiert, dafür aber kein Studienplatz zu haben war. Baggypants, Sweater, Goldkette, goldener Siegelring, Liverpooler Gangsterhaarschnitt, also Seiten kurz, den Rest mit Wachs in die Stirn. Er möchte später als Sozialarbeiter arbeiten, weil er von sowas Ahnung hat. Eines Tages hatte der Siegelring eine Delle.

„What happened to your ring, Ali?“ „Oh, nottin’ - think I broke somebodys nose.“ „What?“ „Yeah, well, I wanned to have a ciggi an’ there was tha’ bloke I asked, and know what the guy said? – ‘Go buy yourself some.’ – Tha’ made me kind of - angry, very angry, you know, he’s insultin’ me an’ dunno, just think I broke the guy’s nose.“ „Oh not really, you didn’t.“ „Well not for sure, he just was bleeding all over an’ – he shouldn’t’ve made me so angry! Just asked for a bloody ciggi, an’ what’s he thinkin’? - You know, I’s really afraid, he’d tell the police, I’s sure he would, but guess wha’: Saw him t’day in the shoppin’ centre. He had such a stupid doctors thing glued over his fuckin’ nose hahaha an’ know wha’? He’s runnin’! Saw me an’ ran like a rabbit, that guy! Hahaha, should’ve seen tha’. So funny!!“

Alastair ist sicher, dass er das Soziologiestudium schaffen und als Sozialarbeiter anderen viel beibringen kann.

Man kann sich nichts dabei denken, denn Malen ist eine andere Form des Denkens. Das wäre genauso, als wenn man Einstein fragt: ‘Was denken Sie sich dabei, wenn Sie Gleichungen machen?’ Der denkt sich nichts dabei, der rechnet.